Brandschutz in der Praxis

Das LuisenForum in Wiesbaden

Unsere Interviewpartner von links nach rechts: Anton Kroll ist als Centermanager der OMEGA Immobilien GmbH zuständig für das LuisenForum in Wiesbaden. Timo Schönweitz ist Regionalleiter Süd der OMEGA Immobilien Service GmbH. Dipl.-Ing. (FH) Ralf Hauter prüft als bauaufsichtlich anerkannter Prüfsachverständiger Brandschutzanlagen für VdS.

LuisenForum in Wiesbaden: Die Betreiber zeigen, wie Brandschutz in modernen Einkaufszentren erfolgreich umgesetzt werden kann. Das Luisenforum ist ein Einkaufszentrum in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden, das im September 2008 in zentraler Lage eröffnet wurde. Es ist mit ca. 47.000 m2 Gesamtfläche eines der größten innerstädtischen Einkaufszentren in Hessen. Die Sicherheit der Besucher hat für die Betreiber allerhöchste Priorität. Eine wichtige Rolle im Sicherheitskonzept spielt verlässliche Brandschutztechnik. Über ihre Erfahrungen damit haben wir mit Anton Kroll und Timo Schönweitz von der Betreiberseite gesprochen sowie mit Ralf Hauter von VdS, der das Objekt als Prüfsachverständiger betreut. 

Herr Kroll, Herr Schönweitz, Herr Hauter – warum ist der Brandschutz in Einkaufszentren ein so wichtiges Thema?

Ralf Hauter: Ganz klar, weil sich hier oft Tausende Besucher konzentrieren und ein Brand verheerende Folgen haben könnte.

Aber lassen Sie uns in Sachen Brandgefahren zunächst einmal auf die Wirtschaft in ihrer Gesamtheit schauen. In deutschen Unternehmen brennt es alle fünf Minuten, wie unsere Partner vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) ermittelt haben. Die Gesamtschäden für die Wirtschaft liegen jedes Jahr aufs Neue bei rund zwei Milliarden Euro.

Ein ganz typischer Auslöser von Bränden sind Defekte in der Elektrik, vom Computer über die Lüftung bis zur Kasse. Selbst in den überall vorhandenen Steckdosen kann ein Brand entstehen – es gibt also definitiv keine Branche, die davon nicht betroffen ist. Ein Beispiel: Vor Kurzem hatte in einem großen Kaufhaus eine winzige, über Nacht angelassene Halogenlampe einen Brand ausgelöst. Ohne VdS-geprüfte Brandschutzanlage vor Ort, die den Brand sicher beherrschte, hätte sich dort ein vernichtender Großbrand entwickeln können. 

Was viele nicht wissen: In einem verrauchten Raum reichen oft wenige Atemzüge, und ein Mensch wird bewusstlos. Und schon zwei Minuten Aufenthalt in diesem Bereich können zum Tod führen. Effektiver vorbeugender und anlagentechnischer Brandschutz kann also Menschenleben retten. Und das steht natürlich an allererster Stelle!

Timo Schönweitz: Brandschutz ist also nicht nur wichtig – er ist im wahrsten Sinne des Wortes überlebenswichtig! Genau wie unser Prüfer Ralf Hauter sagt: Es brennt in Deutschland im Minutentakt. Und wenn die Verantwortlichen nicht Vorsorge treffen, dass das Feuer direkt in seinem Entstehungsstadium erkannt und effektiv bekämpft wird – durch Technik oder gut geschulte Mitarbeiter, am besten durch beides – entfacht es extrem schnell eine unglaubliche Zerstörungskraft. Gerade Verkaufsstätten haben dann nicht allein mit den Sachschäden zu kämpfen.

Anton Kroll: Ja, die Image- und die Kundenverluste durch ausbleibende Leistungserbringung wären gar nicht in Zahlen zu fassen. Sie sind auch nicht versicherbar. Dies gefährdet betroffene Unternehmen noch sehr viel mehr als die reinen Feuerzerstörungen.

Unser Ziel ist es, die bestmöglichen Voraussetzungen für unsere Mieter zu schaffen, damit diese einen optimalen Geschäftserfolg erzielen können. Das bedeutet natürlich unter anderem, dass sämtliche Gefahrenpotenziale – darunter natürlich auch brandtechnische – früh erkannt und vorbeugend bearbeitet werden: Wir wollen für unsere Kunden, Betriebsangehörige und Mieter keine Einschränkungen im Tagesbetrieb. 

Das Luisen-Forum in Wiesbaden beherbergt rund 50 einzelne Mieter.

Das sind in der Tat Fakten, die sehr zu denken geben. Wo sehen Sie die potenziellen Gefahrenquellen bzw. häufigsten Brandursachen in Einkaufszentren?

Timo Schönweitz: Einerseits in den von Herrn Hauter angeführten Defekten oder Altersschwächen der Elektrik. Andererseits ist in einer so viel besuchten Örtlichkeit wie dem LuisenForum in Wiesbaden natürlich individuelles Fehlverhalten eine potenzielle Gefahrenquelle. Beispielsweise hat jeder Mieter hier eine kleinere Küchenzeile, und immer wieder werden beispielsweise zusätzliche Geräte wie Kaffeekocher von zuhause mitgebracht.

Ralf Hauter: Oh ja, literarisch gesprochen ein Klassiker der Brandgefahren. Bei alten oder auch nur minimal beschädigten Elektrogeräten ist die Wahrscheinlichkeit eines Schwelbrandes im Inneren des Gerätes ganz enorm erhöht.

Anton Kroll: In Einkaufszentren sind wir natürlich wegen der vielen Verkaufsgegenstände, also der massiv vorhandenen Brandmasse, besonders vorsichtig. Deswegen ist das LuisenForum bis auf ganz wenige Bürobereiche flächendeckend mit Sprinklern als Wasserlöschanlagen nach der meist höchsten VdS-Klassifizierung ausgestattet.

Timo Schönweitz: Man muss sich auf die Brandmelde- sowie auf die vorhandene Löschtechnik in dem betreuten Objekt verlassen können. Die vorhandene Anlagentechnik im LuisenForum ist in einem sehr guten Zustand, so können wir auch nach den Geschäftszeiten mit einem ruhigen Gewissen nach Hause gehen.

Ralf Hauter: Die Technik ist so enorm wichtig, weil sie 24 Stunden lang an jedem Tag – auch sonntags, am Weihnachtsabend, am Neujahrsmorgen oder während das entscheidende Tor im WM-Finale fällt – flächendeckend detektiert und die Feuerwehr alarmiert bzw. im Brandfall sofort mit dem Löschen beginnt. Unsere Feuerwehren erreichen jeden Brand in ganz Deutschland innerhalb von wenigen Minuten. Das ist eine Riesenleistung, vor der wir alle nur den Hut ziehen können. Wenige Minuten sind allerdings im Brandfall bereits eine Zeitspanne, in der extrem viel passieren kann. Deswegen sind automatische Branderkennungs- und Löschanlagen, die in Sekundenschnelle reagieren, so enorm wichtig.

Timo Schönweitz: Die Brände werden von der Sprinkleranlage schon direkt im Keim erstickt. Oder zumindest so eingedämmt, dass die Feuerwehr noch rechtzeitig eingreifen kann.

Ralf Hauter: Wir Prüfsachverständigen stellen sicher, dass eventuelle Mängel in der komplexen Technik sofort gefunden werden – und nicht erst dann, wenn es brennt, wenn jede Sekunde zählt und Menschenleben auf dem Spiel stehen.

Die im LuisenForum installierte Anlagentechnik beweist im Zuge der Sachverständigenprüfungen immer wieder ihre Funktionsfähigkeit. Vorbeugende Wartungs- und Instandsetzungsmaßnahmen stellen eine dauerhafte Anlagenverfügbarkeit sicher. Vor nicht langer Zeit erst wurde in einem anderen Gebäude im Großraum Wiesbaden von genau solchen, regelmäßig geprüften Anlagen ein Brand umgehend detektiert und sicher durch die Löschanlage beherrscht. Ursache war wie vorhin angeführt wieder einmal ein Elektrogerät: In einem Büro im Verwaltungstrakt des Gebäudes geriet während der Nacht das Faxgerät in Brand. Die installierte Sprinkleranlage detektierte den Brand umgehend, alarmierte über die Brandmeldezentrale die Feuerwehr und hat parallel den Brand zuverlässig gelöscht.

Timo Schönweitz: Wir warten und betreuen unsere gesamte Anlagentechnik nach dem aktuellsten Stand der Technik. Generell wurde für das LuisenForum eine vorbeugende Instandhaltungsstrategie festgelegt. Im Bereich der Sicherheits- und Brandschutztechnik werden zusätzlich zu den üblichen Wartungen und Sachverständigenprüfungen tägliche Kontrollen sowie beispielsweise wöchentliche Tests der Sprinkleranlagen und monatliche Tests der Notstromaggregate durchgeführt. Wie gesagt: Wir schützen hier hunderte Menschenleben und deren Arbeitsplätze. Begehungen und Wartungen machen wir natürlich nicht während der Stoßzeiten, sondern morgens. Größere technische Prüfungen finden sogar außerhalb der Geschäftszeiten statt.

Anton Kroll: Im LuisenForum haben wir unter anderem dafür zu sorgen, dass über 4.000 technische Einrichtungen, von der Brandschutzklappe bis zur Lüftungsanlage, reibungslos funktionieren.

Timo Schönweitz: Diese Masse an Technik inklusive aller nötigen Überprüfungen in einem Einkaufszentrum von 47.000 m² zu überblicken, ist kaum möglich – deswegen hat OMEGA Immobilien Service GmbH hier das CAFM-System „Key- Logic“ eingesetzt, um alle operativen Facility-Service-Prozesse, wie z. B. Inspektionen, Wartungen und Sachverständigenprüfungen, termingerecht und nachhaltig zu steuern. So haben wir die volle Sicherheit, dass auch wirklich nichts übersehen wird. Unser zuständiges Objektpersonal wird hierdurch in die Lage versetzt, jegliche Termine auszuwerten sowie Zyklen nachzuvollziehen, um eine optimale Planung der „Kapazitätsauslastung“ im Tagesgeschäft zu realisieren. 2012 konnten wir gemeinsam mit unserem Software- Lieferanten, der Firma bfm Building + Facility Management GmbH, den dritten Platz bei dem FM-Anwenderpreis auf der Facility-Management- Messe in Frankfurt erreichen.

Anton Kroll: Diese turnusmäßigen Überprüfungen sind extrem wichtig – es nützt nichts, die vermeintlich besten Anlagen zu haben. Vielmehr steht deren sichere Funktion in der Praxis im Vordergrund, und diese gewährleisten nur laufende Wartungen und Funktionstests.

Ralf Hauter: In eine so komplexe Technik können sich jeden einzelnen Tag die verschiedensten Fehler einschleichen – egal wie perfekt sie geplant und installiert wurde. Gerade in viel besuchten Einrichtungen sehe ich immer wieder beschädigte Brandmelde- wie auch Löschelemente. Daher sind die schon erwähnten regelmäßigen Kontrollen durch den Betreiber so immens wichtig für die zuverlässige Funktion im Ernstfall. Bei der Vielzahl der Brandschutzeinrichtungen – von der Sprinkleranlage über die Brandmeldeanlage sowie die Rauch- und Wärmeabzugsanlage bis hin zu Brandschutzklappen und -türen – sind für eine qualifizierte Begehung sehr viele Informationen erforderlich. Das VdS-Bildungszentrum bietet hier Unterstützung an und vermittelt die notwendigen Kenntnisse über die Funktionsweise, den fachgerechten Umgang mit der jeweiligen Technik sowie Art und Umfang der Kontrollen in jeweils auf den Betreiber zugeschnittenen ein- bis zweitägigen Lehrgängen.

Blick hoch zum Glasdach des Atriums, das zu den Malls führt.

Ein wichtiges Thema ist sicher auch die Dekoration. Was können Sie unseren Lesern gerade im Umgang damit oder mit ähnlichen, leicht brennbaren Materialien empfehlen?

Anton Kroll: Hier im LuisenForum erlauben wir keinerlei Dekoration unterhalb der Brandschutzklasse 2, also „schwer entflammbar“.

Grundsätzlich kommt uns Sicherheitsverantwortlichen das Rauchverbot im LuisenForum sehr entgegen. Raucherzonen anzubieten ist allerdings ein Muss. Sie müssen vorhanden sein, damit ein Missbrauch in schwer kontrollierbaren Räumlichkeiten ausgeschlossen werden kann.

Ralf Hauter: Ja, ohne ausreichende Raucherflächen ist vielen Angestellten der Weg zur nächsten Raucherzone halt zu lang und die Pausen sind zu knapp. Dann wird zum Beispiel am offenen Fenster geraucht und die noch glühende Zigarette nach draußen geschnippt – so etwas kann zu echten „Volltreffern“ führen, wenn dort unten beispielsweise Müll- 0der Papiercontainer stehen.

Anton Kroll: Und, wie Herr Hauter gerade erwähnt hat: Auch Müllansammlungen sind aus Brandschutzsicht immer „brandgefährlich“.

Timo Schönweitz: Deswegen achten unsere Mitarbeiter im Tagesgeschäft darauf, dass keinerlei Müll irgendwo illegal abgelagert wird, und wenn dies dennoch geschieht, dann wird dieser Müll umgehend entsorgt bzw. wird der Verursacher zur sofortigen Beseitigung aufgefordert. Außerdem legt die OMEGA Immobilien Service GmbH großen Wert darauf, dass jegliche Technikräume „brandsauber“ sind. Daher werden durch unseren technischen Objektleiter/Brandschutzbeauftragten laufend Objektbegehungen durchgeführt.

Ralf Hauter: VdS prüft jedes Jahr 30.000 Anlagen weltweit – mit dieser Erfahrung im Hintergrund merken die VdS-Prüfsachverständigen sehr schnell, ob Facility-Dienstleister das Thema Sicherheit wirklich ernst nehmen. Bei den Partnern von OMEGA weiß ich, dass ich mich auf sie verlassen kann. Verkeilte Brandschutztüren oder zugestellte Wasserlöschdüsen gibt es hier nicht, da wird aufgepasst. Dieses genaue Hingucken kann im Ernstfall Dutzende Leben retten.

Anton Kroll: Und wir haben in allen Technikräumen eine klare Schlüsselhierarchie, es gibt hier auch keinen Wildwuchs fremder Geräte, und wir verhindern den Zugang von unbefugtem Personal. Zudem sind unsere Mieter sehr sensibel, melden beispielsweise nicht normale Gerüche sofort.

Ralf Hauter: Eine weitere große Brandgefahr für jedes Objekt, weit über die Handelsbranche hinaus, sind Bauphasen. Gerade in Malls gibt es wegen Mieterwechseln oder Ähnlichem fast durchgängig Bauphasen. Ein neuer Ladenbesitzer wünscht beispielsweise andere Aufteilungen, eine neue technische Einrichtung oder dergleichen – und für uns Brandschützer gilt: In einer Bauphase muss man eigentlich immer die Luft anhalten.

Timo Schönweitz: Wo Bauarbeiten stattfinden, wird fast immer geschweißt oder geflext. Aufgrund der Sensibilisierung durch den Lehrgang „Brandschutz bei feuergefährlichen Arbeiten“ im VdS-Bildungszentrum war ich doch sehr überrascht, als ich hörte, was so alles inhaltlich und rechtlich mit einem Schweißerlaubnisschein verbunden ist. Der Schein, ursprünglich von der Versicherungswirtschaft entwickelt, regelt die Sicherheitsmaßnahmen, die bei solchen Tätigkeiten erfüllt werden müssen. Daher wird im LuisenForum vor jeglichen Bauarbeiten durch den zuständigen Bauleiter ein separater Schein ausgefüllt, in dem der Arbeitsort, die Arbeitsmaßnahmen und die Sicherheitsmaßnahmen eingetragen werden. Bei größeren Umbauten sowie bei Baumaßnahmen über einen längeren Zeitraum werden entsprechende Richtlinien und Rahmenbedingungen schriftlich festgelegt. Und enorm wichtig ist, dass eine Brandwache nach Abschluss der feuergefährlichen Arbeiten vorgeschrieben wird! Die meisten Brände entstehen nämlich erst Stunden nach der eigentlichen Reparaturarbeit, und wenn dann keine Brandwache vorhanden ist, kann man sich vorstellen, was passiert ... 

Ralf Hauter: Ganz besonders gravierend ist in einer Bauphase auch, dass oft die Branderkennungs- und Löschelemente ganz oder teilweise abgeschaltet werden müssen. Auch die Brandschotts, die im Ernstfall verhindern, dass sich ein Brand ausbreiten kann, stehen dann teilweise offen.

Anton Kroll: Termindruck für die Baudienstleister führt bisweilen zu Nachlässigkeit. Dann steht eben wegen mangelnder Informationen nachts mal trotz ausgeschalteter Brandmeldetechnik und trotz klarer Vereinbarung keine Brandwache zur Verfügung. Oder die Brandwache verfügt über keinerlei Löschausrüstung, wie ich es schon oft gesehen habe. Wir stellen deshalb bei Bauarbeiten im LuisenForum in der Regel einen Wagen, strukturiert ausgestattet mit den notwendigen Löscheinrichtungen wie Feuerlöschern, Bauhelmen, Brandschutzdecken und anderen Schutzelementen, vorbeugend bereit. 

Unsere Interviewpartner bei einer Begehung des Objekts

Sie sprachen das wichtige Thema „Was kann der Facility-Dienstleister tun“ gerade schon an – welche Tipps können Sie unseren Lesern noch zum Brandschutz in Einkaufszentren geben?

Anton Kroll: Ganz wichtig ist neben der erwähnten Technik auch eine klare Ablageorganisation – denn wenn beispielsweise ein Mitarbeiter wechselt, taucht immer wieder die Frage auf: „Wo werden die einzelnen/ wichtigen Dokumente aufbewahrt?“ Bei uns wird alles gescannt und digital im CAFM-System abgelegt. Um hundertprozentig sicherzugehen, kommt zusätzlich noch ein Beleg in den eigens für das LuisenForum angelegten Brandschutzordner.

Timo Schönweitz: Generell ist es für Brandschutzbeauftragte immer schwer, ihre Aufgaben in der Praxis umzusetzen, da man meist mit dem Tagesgeschäft sowie mit zusätzlichen Aufgaben aus dem Objektbetrieb beschäftigt ist. Dazu wirken Brandschutzbeauftragte üblicherweise beratend und stehen oftmals vor der Herausforderung, Vorgesetzte, die sich der enormen Gefahren durch Feuer häufig gar nicht bewusst sind, von ihren brandschutzrelevanten Anliegen und Zielen überzeugen zu müssen. Hinzu kommt, dass Brandschutz für viele Führungskräfte ein lästiges Thema ist. Daher sollten Brandschutzbeauftragte ihre Anliegen und Ziele hartnäckig verfolgen und mit Fakten die Führungskräfte überzeugen, denn ein Wegschauen bei diesem wichtigem Thema kann schwerwiegende Folgen haben …

Anton Kroll: Ja, zum Glück legt unsere Geschäftsleitung hier besonders viel Wert auf Sicherheit.

Timo Schönweitz: Unsere Auftraggeber wissen genau, wie gefährlich Feuer ist. Sie unterstützen den OMEGA-Ansatz, dass unsere Brandschutzbeauftragten führen sollen. Daher sind in der Regel die Brandschutzbeauftragten von OMEGA Immobilien Service GmbH gleichzeitig auch die technischen Objektleiter. Durch diese Kombinationen können die Komplexität der technischen Anforderungen in einem Einkaufszentrum sowie die Firmenanforderungen etabliert und umgesetzt werden. Zusätzlich arbeiten unsere Brandschutzbeauftragen bundesweit mit der CAFM-Software „KeyLogic“. Hierbei wird, wie auch im Bereich der Anlagenbetreuung, das gesamte Aufgabenspektrum des Brandschutzbeauftragten individuell für das zu betreuende Objekt erfasst und implementiert. Somit werden unsere Brandschutzbeauftragten unabhängig von den Anforderungen und Leistungen aus dem Tagesgeschäft mit klaren Zyklen und Terminvorgaben, z. B. für Brandschutzbegehungen, geführt. Der Benefit für das Unternehmen ist der gemeinsame Erfahrungsaustausch durch das zentrale Arbeiten an einem Medium, was zu einer ständigen Systemweiterentwicklung führt.

Ralf Hauter: Dass die Brandschutzbeauftragten bei OMEGA mehr Verantwortung tragen, ist ein richtiger Ansatz. Wenn der Brandschutzbeauftragte nichts bewirken kann, kann er auch nichts schützen, weder Menschenleben noch das Objekt an sich.

Timo Schönweitz: Wir haben mittlerweile fünf Brandschutzbeauftragte, Tendenz steigend, bei VdS ausbilden lassen. Die Kollegen waren alle ganz begeistert vom Kurs, vor allem von den hohen Praxisanteilen.

Ralf Hauter: Über 100 Jahre VdS-Erfahrung stecken in unseren Lehrgängen. Unseren Kollegen im VdSBildungszentrum ist übrigens wichtig, dass die Themen des baulichen, anlagentechnischen und organisatorischen Brandschutzes immer von Experten aus den jeweiligen Fachrichtungen intensiv und besonders praxisnah behandelt werden. Die VdS-Ausbildung zum Brandschutzbeauftragten feierte im Juni dieses Jahres schon das 22. Jubiläum – an dieser Stelle ein schöner Gruß an die bereits über 9.500 bei uns ausgebildeten Experten für Sicherheit. Einige von ihnen berichten auch auf der VdS-Website über ihre Erfahrungen. Darüber hinaus bietet unser Verlag auch eine ganze Reihe interessanter Informationen an, z. B. den bekannten Leitfaden für Brandschutzbeauftragte, der gerade in zweiter, überarbeiteter Auflage erschienen ist.

Auf dem Dach des Objektes befindet sich die umfangreiche Lüftungstechnik des Gebäudes.

Gerade im organisatorischen Brandschutz gibt es für Ihre Branche ja noch eine besondere Schwierigkeit. In jedem Einkaufszentrum halten sich regelmäßig hunderte Mitarbeiter auf, die vom Thema Brandschutz teils überhaupt nichts wissen. Wie kann ich als Gebäudeverantwortlicher sicherstellen, dass die Mieter die lebenswichtigen Standards in diesem Bereich einhalten?

Anton Kroll: Im LuisenForum haben wir rund 50 verschiedene Mieter. Bei Geschäften mit vielen Mitarbeitern, beispielsweise Karstadt oder Saturn, bildet OMEGA in größerem Stil Selbsthilfekräfte aus. Das sorgt schon für ein gutes Gefühl, wenn wir wissen, dass die geschulten Mitarbeiter im Ernstfall sicher handeln. Problematisch sind für uns Gebäudemanager eher die ganz kleinen Einheiten, beispielsweise Cafés mit zwei bis drei Leuten im Schichtdienst. Häufig sind dies 400-Euro- Kräfte mit entsprechend hoher Fluktuation.

Wie kann man gerade diese Beschäftigten „abholen“, sie also für den so wichtigen Brandschutz sensibilisieren?

Timo Schönweitz: Idealerweise müssten Mieter ihre Mitarbeiter einmal jährlich intern ausbilden oder zumindest an einem entsprechendem Tageslehrgang wie z. B. „Brandschutz- und Evakuierungshelfer“ beim VdS-Bildungszentrum teilnehmen lassen. Ist dies nicht der Fall, bieten wir u. a. den Mietern im Zuge der Selbsthilfekräfteausbildung eine freiwillige Teilnahme an eigenen Brandschutzausbildungen an.

Die Kollegen von der Feuerwehr freut dieses Vorgehen übrigens sehr. Einmal im Jahr unterrichten wir dann zwei Stunden Brandschutztheorie und halten zwei Stunden lang verschiedene Löschübungen (u. a. mit externen Partnern) und andere Praxisvorführungen auf dem Dach unseres Parkhauses ab – schöne Übungen, die wir aus den VdS-Lehrgängen kennen. Schließlich ist es unser aller Arbeitsplatz, und Sicherheit ist uns wichtig.

Zudem haben wir einen eigenen Ordner zum Thema Brandschutz im LuisenForum entwickelt. Beispielsweise finden die Mietpartner auf der allerersten Seite eine laminierte Kurzanweisung für Notfälle, auch das eine Eigenentwicklung von uns. Diese Seite zeigt den Mietern auf den ersten Blick, was bei einem Brandfall beachtet werden muss.

Ralf Hauter: Das ist auch sehr wichtig. Mitarbeiter in Einkaufszentren müssen wissen, wie sie zum Beispiel überhaupt mit einem Feuerlöscher oder einem Wandhydranten umzugehen haben. Unter dem extremen Stress, der im realen Gefahrenfall eines Feuers entsteht, ist es schwierig, sich erstmals mit der Handhabung vertraut zu machen. Ich habe im Laufe meiner Karriere oft mitbekommen, dass mangelnde Ausbildung dazu führt, dass die genannten Brandschutzeinrichtungen erst gar nicht benutzt werden. Diese Schulungen von OMEGA sind also sehr wichtig. Dort lernen die Mitarbeiter in Ruhe, wie man schnell und richtig reagiert. Das kann dann im Ernstfall Menschenleben und unter Umständen das gesamte LuisenForum retten.

Timo Schönweitz: Sie haben es schon angesprochen: Entscheidend ist die Sensibilität der Mitarbeiter dafür, was im Notfall zu tun ist. Zum Beispiel stellte ich einmal bei einem Rundgang fest, dass ein Wandhydrant vollständig zugebaut worden war. Der zuständige Mitarbeiter hatte trotz deutlicher Markierung einfach nicht darauf geachtet, was hier für ein im Ernstfall lebensrettendes Gerät in die Wand eingebaut war.

Anton Kroll: Immer wieder stellen wir die Frage: „Wissen Sie, dass da ein Feuerlöscher drin ist?“. Die Antwort ist oft genug: „Nein.“ Dem wirken wir mit unseren Schulungsmaßnahmen und den praktischen Übungen entgegen.

Sie haben auch die Gefahren durch Rauch angesprochen, die vielen gar nicht bekannt sind, obwohl sie sich gerade in viel besuchten Gebäuden extrem auswirken können. Wie lösen Sie die Herausforderungen des Themas Entrauchung?

Ralf Hauter: Ganz problematisch gerade in viel besuchten Gebäuden ist: Wenn es brennt, wollen die Leute helfen und rennen dann oft direkt in den Rauch hinein.

Anton Kroll: Genau deswegen schulen wir unsere Mieter. Wenn es brennt, gilt der Grundsatz: Raus aus dem Gebäude! Und nicht durch verrauchte Zonen laufen. Im LuisenForum verfügen wir über eine komplexe Entrauchungsmatrix – bestimmte Klappen schließen in von einem Brand betroffenen Sektoren, gleichzeitig springen Abgasventilatoren an, welche die ganzen Gase nach außen ziehen. Dazu verfügt jedes Treppenhaus als Flucht- und Rettungsweg über optimalen Rauchschutz, u. a. halten Überdruckanlagen den Rauch aus diesem lebenswichtigen Fluchtweg heraus, wie ein Test im Gebäude zeigte.

Ralf Hauter: Rauch- und Wärmeabzugsanlagen, die im Brandfall den hochgiftigen Rauch nach außen leiten, sind so wichtig, weil beispielsweise schon ein einziges Kilogramm Kunststoff bei Verbrennung bis zu 2.500 Kubikmeter Rauch bildet.

Bei einem Entrauchungstest im LuisenForum wurde mit einer Nebelmaschine Brandrauch simuliert.

Was ergab Ihr Rauchtest im Gebäude?

Timo Schönweitz: Den Entrauchungstest, natürlich außerhalb der Geschäftszeiten, haben wir mit dem kompletten Haustechnikerteam durchgeführt. Auch die Feuerwehr war vor Ort. Wir haben hier im Forum eine den Brandrauch simulierende Nebelmaschine aufgebaut und komplett sämtliche Brandszenarien durchlaufen lassen. So testen wir das gesamte Zusammenspiel aller Anlagen im LuisenForum. Mit diesem Praxistest stellen wir sicher, dass im Ernstfall auch alles so funktioniert, wie es soll.

Ralf Hauter: Stichwort Flucht- und Rettungswege: Eine generelle Herausforderung ist auch, dass Türen in öffentlichen Gebäuden nicht gerade pfleglich behandelt werden. Sie benötigen eine viel häufigere und intensivere Betreuung als üblich. Denn es kann im Brandfall tödlich sein, wenn sich eine Brandschutztür nicht mehr passgenau schließt. Auch deswegen sind die häufigen Begehungen durch das OMEGATeam so wichtig.

Wie schnell und sicher ein Gebäude im Brandfall geräumt werden kann, zeigt sich erst bei einer realitätsnahen Räumungsübung. Haben Sie eine solche schon einmal durchgeführt?

Timo Schönweitz: Zu Beginn der Objektübernahme haben wir eine Räumungsübung des gesamten Luisen- Forums inklusive des angrenzenden Hochhauses durchgeführt. Die Erkenntnisse aus der praktischen Übung waren für uns sehr lehrreich. Einige dieser organisatorischen Erkenntnisse konnten wir umgehend in die Brandschutzordnungen einfließen lassen. Weitere technische Erkenntnisse, wie z. B. die Installation von Telefonen in den jeweiligen Brandmeldezentralen zur Aufrechterhaltung der Kommunikation im Ernstfall, konnten ebenfalls nur dadurch realisiert werden. Durch solche Übungen und die daraus gewonnenen Erfahrungen können wir die Sicherheit in solch komplexen Immobilien steigern.

Anton Kroll: Die Bedeutung von Brandschutzübungen ist leider schwer vermittelbar. Vielfach wird der Ernst solcher Maßnahmen nicht verstanden. Es muss vermittelt werden, dass die Aussage „es ist doch bisher nichts passiert“ keinerlei Bedeutung für die tatsächliche Sicherheit hat.

Timo Schönweitz: Ein Räumungstest gilt oftmals als schwer finanzier- und organisierbar – wir haben es trotzdem gemacht. Als OMEGA dieses Einkaufszentrum Ende 2009 übernommen hat, erfuhren wir, dass hier niemals eine Räumungsübung durchgeführt worden war. Daraufhin ließen wir uns vom Eigentümer des Objekts ein spezielles Budget dafür einräumen. Die Feuerwehr stellte uns bei der Übung ihre Einsatzkräfte sogar kostenlos zur Verfügung, da es auch in ihrem Interesse ist, dass wir im Brandfall genau wissen, wie wir Hunderte unserer Kunden zu retten haben. Für unsere Räumungsübung im Jahre 2010 konnten wir ein Team von ca. 20 Personen aufstellen, darunter Experten der Bereiche Sicherheitsdienst, Haustechnik, Wartungsdienstleistung, Centermanagement und von der Feuerwehr.

Anton Kroll: Für den Ablauf haben wir Beobachtungsposten festgelegt, die Wartungsfirmen standen an den entsprechenden Brandschutzeinrichtungen parat – und in enger Abstimmung mit der Feuerwehr haben wir dann einen Räumungsalarm ausgelöst/simuliert.

Timo Schönweitz: Unsere Mieter hatten wir entsprechend darüber informiert, dass es in den nächsten Tagen zu solch einer Übung kommen würde.

Anton Kroll: Und so lief die Übung ab: Scharfer Alarm – und schon nach sieben Minuten war das komplette LuisenForum leer!

Ralf Hauter: Gratuliere! Das ist wirklich schnell!

Ein wichtiges Thema für Betreiber von Einkaufszentren sind auch die meist angegliederten Parkhäuser. Wie gehen Sie hier mit der Brandgefahr um?

Timo Schönweitz: In unserem Parkhaus ist die Anlagentechnik, ausgenommen die Sprinklertechnik, generell identisch mit derjenigen im LuisenForum. Es ist zur Branderkennung flächendeckend mit Wärmeleitkabeln ausgestattet. Hierbei handelt es sich um Kupferkabel, die durch großflächige Erwärmung, wie sie beispielsweise bei einem Autobrand auftritt, ihren Widerstandsgrad ändern. Dies führt ähnlich wie das Prinzip eines Brandmelders zur Auslösung der Brandmeldezentrale.

Ralf Hauter: Die Wärmeleitkabel nutzen wir, weil das LuisenForum über ein offenes Parkhaus verfügt. Rauchmelder wären hier schon wegen der Verwehung durch Wind nicht sinnvoll.